[Rezension] Wächter der Nacht (Sergei Lukianenko)

Titel: Wächter der Nacht
Originaltitel: Nochnoi Dozor (Ночной дозор)
Reihe: Wächter #1
Autor: Sergei Lukianenko
Verlag: Heyne
Veröffentlichung: 02.09.2005
Seiten: 528
Kaufen: Amazon | Verlag
Genre: Urban Fanatsy, Russland

Inhalt

Seit Menschengedenken gibt es die sogenannten »Anderen«: Vampire, Gestaltwandler, Hexen, Schwarzmagier. Unerkannt leben sie in unserer Mitte und sorgen dafür, dass das Gleichgewicht zwischen den Dunklen Anderen und den Hellen Anderen gewahrt bleibt. Zwei Organisationen, den »Wächtern der Nacht« und den »Wächtern des Tages«, obliegt es, den vor langer Zeit geschlossenen Waffenstillstand zu überwachen und jegliche Verstöße zu ahnden. Doch es heißt, dass ein mächtiger Anderer kommen wird, der die Fähigkeit besitzt, das Gleichgewicht der Kräfte für immer zu verändern. Und sollte er sich auf die Seite des Bösen schlagen, würde dies die Welt ins Chaos stürzen …

Meine Meinung

Seid ihr schon mal durch die Straßen gelaufen und hattet plötzlich so ein Gefühl? Vielleicht auch ganz unbewusst habt ihr einfach in eine andere Richtung geschaut, seid einen Meter weiter links gelaufen oder habt gar die Straßenseite gewechselt? Falls ja, kann es sein, dass sich neben euch ein "Anderer" durchs Zwielicht bewegt hat. Zumindest laut Wächter der Nacht von Sergei Lukianenko. Denn Lukianenko schreibt so trocken realistisch, dass man denkt, genau so sieht die Welt tatsächlich aus. Das die Anderen neben den Menschen koexistieren.
 
Ort des Geschehens ist das gegenwärtige Moskau. Anton Gorodezki ist ein Lichter, er gehört zu den Wächtern der Nacht. Die Wächter der Nacht sind eine Organisation, die nachts die Aktivitäten der Dunklen überwachen (daher der Name). Die Dunklen wiederum haben natürlich auch eine Organisation, die Wächter des Tages, welche tagsüber die Lichten kontrolliert. Die gegenseitige Überwachung hat den einen Zweck, die Magie im Gleichgewicht zu halten. Für jede gute Tat, die die Lichten bewirken, haben die Dunklen das Recht gleichermaßen zu handeln. Nur eben handeln die Dunklen nicht unbedingt im Guten.
 
Zurück zu Anton. Erst seit ein paar Jahren ein Wächter, gilt er als nicht besonders hochrangiger Magier. Das weiß er selbst auch. Deswegen macht der bei den Wächtern das, was er kann und arbeitet als Programmierer in der Zentrale und fühlt sich in seinem Büro sehr wohl. Leider ist sein Chef, Boris Ignatjewitsch, der Meinung, dass Anton auch mal ein wenig Außeneinsatz absolvieren muss. So verschlägt es ihn auf die Straßen Moskaus, beziehungsweise in die Metro. Dort trifft er zufällig auf eine junge Frau, welche stark verflucht ist - sichtbar als schwarzer Wirbel über ihrem Kopf mit unglaublichem Durchmesser - und versucht beiläufig ihren Flucht zu entfernen. Dies schlägt leider fehl und Anton, der eh gerade jemand anderem auf der Spur ist, zieht weiter. Nichtwissend, das diese Aktion schwere Folgen mit sich ziehen wird.

Dies ist der Beginn der ersten Geschichte in diesem Band. Es folgen zwei weitere. Dazwischen liegen je ein bis drei Monate. Die Geschichten sind also miteinander verknüpft, jedoch nicht komplett voneinander abhängig. Zum besseren Verständnis ist es allerdings ratsam, einfach von Beginn an, den Seitenzahlen aufwärts zu folgen.

Lukianenko beschreibt Moskau als grauen, runtergekommenen Ort, der einfach nicht wohnlich wirkt. Ein Moskau der frühen 90er Jahre im Schockzustand. Plötzlich vom Sozialismus zum Kapitalismus. Und mittendrin Wesen, welche man aus Fantasy-Geschichten kennt, nur dass sie hier so gar nicht fantastisch sind. Der Schreibstil ist einfach, direkt. Gerade deswegen wirkt seine Erzählung so real. Man erkennt hier klar, dass die Ursprungssprache eben nicht Englisch oder Deutsch ist - ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, als würde ich eine andere Sprache lesen. Das macht zusätzlich den skurrilen Charme der Erzählweise aus.

Zu den Figuren lässt sich sagen, dass sie - ähnlich wie die Umgebung und Stimmung - nicht gerade von ihrer schönsten Seite auf's Papier gebraucht wurden. Auch wenn die Wächter bereits jahrelang miteinander arbeiten, scheinen sie sich doch wenig zu kennen. Privatleben ist bei ihnen kaum noch vorhanden und das wenige, das es gibt, wird nicht geteilt. Somit erfährt der Leser auch nur in maßen über Anton's Kollegen. Sympatien zu den Figuren bauten sich für mich eher zaghaft auf.

Beim Lesen wird schnell klar, die Moral von der Geschichte ist, dass sich Menschen nach dem Guten in der Welt sehnen. Niemand möchte, dass Böses geschicht, jedoch kann man es nicht immer verhindern. Auch Anton, der für die Lichten arbeitet, fragt sich irgendwann, wie gut die Arbeiten der Wächter der Nacht wirklich sind.

Das Problem, das sich für mich dabei stellt ist der Wiederspruch der Message, die das Buch verbreiten soll und der eigentlichen Persönlichkeit des Autors. Ich habe mal einen ganz passenden Satz gelesen, der in etwa wie folgt hieß: "Lukianenko is a good writer, but shitty person". Das kommt aufgrund von Lukianenko's Aussagen wie, dass die Ukraine kein richtiges Land sei. Sogar ein verfluchtes Land sei, das nun für seine Feigheit und Niedertracht der letzten Generationen bezahlen muss. Mit diesem Wissen im Hinterkopf, lesen sich seine Geschichten dann doch anders und bestimmte Aussagen von Charakteren bekommen gleich eine andere Gewichtung.

Wächter der Nacht ist der Beginn einer Pentalogie vom russischen Autor Sergei Lukianenko. Der letzte Band erschien im März 2015. Im September 2015 erscheint mit Die Wächter - Licht und Dunkelheit - Die neuen Abenteuer der Wächter eine neue Romanreihe des Autor aus dem Wächter-Universum. Wächter der Nacht wurde in Russland schnell zum Bestseller und die Verflimung gilt als erfolgreichster russischer Film. Die Bücher erscheinen im Heyne-Verlag, mit einer Übersetzung von Christiane Pöhlmann.

Fazit

Lässt man mal den unpassenden ausgeprägten Nationalsozialismus des Autors außen vor, ist Wächter der Nacht tatsächlich ein guter Auftakt zu einer düsteren Fantasy-Erzählung, die so magisch real erzält wird, als könnte sie tatsächlich echt sein. Vielleicht weiß Lukianenko auch einfach mehr als wir gewöhnlichen Sterblichen.

 

Die Reihe


Wächter der Nacht
Wächter des Tages
Wächter des Zwielichts
2005

2006

2006

Wächter der Ewigkeit
Wächter des Morgen
Die letzten Wächter
2007
2012
2015